Wer seit Jahren beim selben Gasanbieter bleibt, zahlt fast immer zu viel. Die Grundversorgung ist der teuerste aller Gastarife, und genau dort landen alle, die nie aktiv gewechselt haben. Zwischen dem Grundversorgungstarif und den günstigen Angeboten am Markt liegen bei einem Einfamilienhaus schnell 400 bis 600 Euro im Jahr.
Der Gasvergleich selbst dauert keine zehn Minuten. Entscheidend ist, worauf man beim Vergleichen achtet. Denn der niedrigste Preis in der Ergebnisliste stammt selten vom besten Anbieter.
Was du für den Gaspreisvergleich brauchst
Für einen aussagekräftigen Gasvergleich reichen zwei Angaben:
- Die Postleitzahl. Gaspreise sind regional unterschiedlich, weil die Netzentgelte je nach Netzbetreiber variieren.
- Der Gasverbrauch pro Jahr in Kilowattstunden. Diesen Wert findest du auf der letzten Jahresabrechnung deines Gasanbieters.
Liegt keine Abrechnung vor, lässt sich der Gasverbrauch schätzen. Als Richtwert gelten 130 bis 160 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr. Eine 90-Quadratmeter-Wohnung kommt damit auf rund 13.000 kWh, ein Einfamilienhaus mit 140 Quadratmetern auf etwa 20.000 kWh.
Wichtig: Schätze den Verbrauch eher zu hoch als zu niedrig. Viele günstige Gastarife arbeiten mit Neukundenboni, die an eine Mindestabnahme gekoppelt sind. Wer den Verbrauch zu niedrig angibt, verliert im schlechtesten Fall den Bonus.
Welche Arten von Gasanbietern es gibt
Bevor du Gaspreise vergleichen kannst, hilft es zu wissen, welche Anbieter überhaupt antreten. Der Markt teilt sich grob in drei Gruppen:
Der örtliche Grundversorger. Das ist meist das Stadtwerk vor Ort. Es beliefert alle, die nie gewechselt haben. Die Tarife sind teuer, dafür ist der Anbieter zuverlässig und die Kündigungsfrist beträgt nur zwei Wochen.
Überregionale Versorger. Große Gasanbieter wie E.ON, Vattenfall oder EnBW treten bundesweit an. Ihre Gastarife liegen preislich im Mittelfeld, dafür sind Abrechnung und Service meist verlässlich.
Discounter und Neueinsteiger. Diese Anbieter stehen mit aggressiven Preisen ganz oben in jeder Ergebnisliste. Hier lohnt der genaue Blick auf Vorauskasse, Kaution und Bewertungen. Einige dieser Gasanbieter sind in den vergangenen Jahren aus dem Markt ausgeschieden.
Für den Vergleich heißt das: Sortiere nicht blind nach Preis. Ein Tarif von einem soliden Versorger mit 40 Euro Aufschlag im Jahr ist oft die bessere Wahl als das billigste Angebot mit Vorauskasse.
Diese fünf Kriterien entscheiden über den besten Gastarif
Der reine Arbeitspreis pro Kilowattstunde sagt wenig aus. Neben dem Arbeitspreis zahlst du einen monatlichen Grundpreis, der bei geringem Gasverbrauch stark ins Gewicht fällt. Ein günstiger Anbieter wird erst dann zum guten Angebot, wenn auch die Vertragsbedingungen stimmen.
1. Preisgarantie. Sie ist das wichtigste Kriterium. Eine echte Preisgarantie deckt alle Bestandteile des Gaspreises ab. Häufiger ist die eingeschränkte Variante, bei der nur Beschaffung und Vertrieb garantiert sind, während Steuern und Netzentgelte weitergegeben werden dürfen. Sinnvoll sind mindestens zwölf Monate Preisgarantie.
2. Vertragslaufzeit. Zwölf Monate sind der Standard. Längere Laufzeiten binden dich an Preise, die in zwei Jahren nicht mehr aktuell sind. Kürzere Laufzeiten bieten mehr Flexibilität, sind aber oft teurer.
3. Kündigungsfrist. Vier bis sechs Wochen zum Laufzeitende sind üblich. Wichtig ist die automatische Verlängerung: Viele Verträge verlängern sich stillschweigend um zwölf Monate, wenn du nicht rechtzeitig kündigst.
4. Bonuszahlungen. Neukundenboni machen Tarife auf dem Papier extrem günstig. Sie werden aber erst nach zwölf Monaten ausgezahlt und fallen im zweiten Jahr weg. Vergleiche deshalb immer auch die Kosten ohne Bonus.
5. Vorauskasse. Finger weg. Bei Vorauskasse zahlst du für ein ganzes Jahr im Voraus und bist bei einer Insolvenz des Gasanbieters dein Geld los. Solche Angebote stehen zwar oft ganz oben in der Liste, sind das Risiko aber nicht wert.
Ein sechster Punkt betrifft die Abschlagsanpassung. Gute Anbieter passen den monatlichen Abschlag automatisch an, wenn sich der Verbrauch ändert. Bei anderen musst du das selbst anstoßen, sonst droht am Jahresende eine hohe Nachzahlung.
Was der Gaspreis eigentlich enthält
Ein Blick auf die Zusammensetzung erklärt, warum die Preise regional so unterschiedlich ausfallen. Nach der Gaspreisanalyse des BDEW zahlen Einfamilienhäuser 2026 im Schnitt 11,93 Cent pro Kilowattstunde, Mehrfamilienhäuser 11,17 Cent. Der Betrag verteilt sich so:
| Bestandteil | Anteil am Gaspreis | Beeinflussbar durch Wechsel? |
|---|---|---|
| Beschaffung und Vertrieb | ca. 50 % | ja |
| Netzentgelte | ca. 20 % | nein (regional festgelegt) |
| Steuern, Abgaben, Umlagen | ca. 30 % | nein |
Nur rund die Hälfte des Gaspreises lässt sich durch einen Anbieterwechsel beeinflussen.
Diese Aufteilung erklärt auch, warum die Preisgarantie so wichtig ist. Ein Anbieter kann steigende Netzentgelte oder einen höheren CO₂-Preis fast immer weiterreichen, selbst wenn er mit einer Garantie wirbt. Beim Arbeitspreis dagegen bindet ihn die Garantie.
Wer den ganzen Markt im Blick behalten will, findet auf Gas-Vergleich.org einen laufend aktualisierten Überblick über die aktuellen Gastarife und die Preisentwicklung.
Der Wechsel Schritt für Schritt
Der Anbieterwechsel läuft weitgehend automatisch. Du musst nichts selbst kündigen, das übernimmt der neue Gasanbieter.
- Vergleich durchführen. Postleitzahl und Verbrauch eingeben, Ergebnisliste nach Gesamtkosten im ersten Jahr sortieren.
- Filter setzen. Vorauskasse ausschließen, Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten verlangen, maximale Vertragslaufzeit auf zwölf Monate begrenzen.
- Anbieter prüfen. Ein kurzer Blick auf Bewertungen lohnt sich. Auffällig häufige Beschwerden über verspätete Abrechnungen oder Bonusverweigerung sind ein Warnsignal.
- Antrag ausfüllen. Nötig sind Zählernummer, bisheriger Versorger und Kundennummer. Alle drei Angaben stehen auf der letzten Rechnung.
- Bestätigung abwarten. Der neue Versorger meldet sich innerhalb weniger Tage mit dem Wechseltermin. Bis dahin läuft alles weiter wie bisher.
Eine Versorgungslücke kann dabei nicht entstehen. Der Netzbetreiber ist gesetzlich verpflichtet, die Versorgung sicherzustellen, notfalls über die Grundversorgung. Wer wechselt, sitzt also nie im Kalten.
Der gesamte Wechsel dauert je nach Kündigungsfrist des alten Vertrags zwischen zwei Wochen und drei Monaten.
Wann sich ein Wechsel besonders lohnt
Nicht jeder Zeitpunkt ist gleich gut. Diese Situationen sprechen für einen Gasvergleich:
- Nach einer Preiserhöhung. Erhöht der Versorger die Preise, hast du ein Sonderkündigungsrecht. Die Frist beträgt meist zwei Wochen ab Ankündigung.
- Kurz vor Ablauf der Vertragslaufzeit. Sechs bis acht Wochen vor Ende lohnt der Blick auf die aktuellen Tarife.
- Nach dem Ende der Preisgarantie. Läuft die Garantie aus, steigt der Preis oft deutlich.
- Bei einem Umzug. Der Umzug ist der einfachste Wechselzeitpunkt, weil der alte Vertrag ohnehin endet.
- Wenn du noch in der Grundversorgung bist. Hier ist das Sparpotenzial am größten, und die Kündigungsfrist beträgt nur zwei Wochen.
Als Faustregel gilt: Einmal im Jahr die aktuellen Gaspreise vergleichen reicht. Wer häufiger den Gasanbieter wechseln will, verliert schnell den Überblick über Boni und Fristen.
Praktisch hat sich ein fester Termin bewährt. Trage dir den Monat, in dem die Jahresabrechnung kommt, als Erinnerung ein. Dann liegen die aktuellen Verbrauchsdaten vor, und du kannst die Gastarife auf realistischer Grundlage vergleichen.
Drei Rechenbeispiele: So viel bringt der Wechsel
Wie stark sich ein Gasvergleich auszahlt, hängt vor allem am Verbrauch. Die folgenden Beispiele rechnen mit einem Grundversorgungspreis von rund 12 Cent pro Kilowattstunde und einem günstigen Wechseltarif bei etwa 9 Cent.
| Haushalt | Jahresverbrauch | Grundversorgung | Günstiger Gastarif | Ersparnis |
|---|---|---|---|---|
| Wohnung, 2 Personen | 10.000 kWh | ca. 1.320 € | ca. 1.020 € | rund 300 € |
| Reihenhaus, 3 Personen | 16.000 kWh | ca. 2.040 € | ca. 1.560 € | rund 480 € |
| Einfamilienhaus, 4 Personen | 22.000 kWh | ca. 2.760 € | ca. 2.100 € | rund 660 € |
Beispielrechnung inklusive Grundpreis, gerundet. Die tatsächlichen Gaspreise unterscheiden sich regional.
Die Zahlen zeigen ein einfaches Muster: Je höher der Gasverbrauch, desto mehr lässt sich durch einen Wechsel sparen. Bei einer kleinen Wohnung lohnt sich der Aufwand trotzdem, weil er einmalig ist. Auch 300 Euro sparen ist Geld, das jedes Jahr aufs Neue anfällt.
Interessant ist auch der Blick auf den zweiten Vertragszeitraum. Wer nach zwölf Monaten die aktuellen Gaspreise erneut vergleicht und wieder wechselt, sichert sich meist einen weiteren Neukundenbonus und spart damit ein zweites Mal. Wer dagegen im alten Tarif bleibt, rutscht oft in einen deutlich teureren Folgetarif.
Was tun bei einer Preiserhöhung?
Fast jeder Gasanbieter erhöht irgendwann die Preise. Wichtig ist, richtig zu reagieren:
- Ankündigung genau lesen. Der Versorger muss die Erhöhung mindestens einen Monat vorher mitteilen und dabei auf das Sonderkündigungsrecht hinweisen.
- Frist notieren. Das Sonderkündigungsrecht gilt in der Regel bis zum Wirksamwerden der Erhöhung. Diese Frist ist knapp, oft nur zwei bis vier Wochen.
- Aktuelle Gastarife vergleichen. Erst wenn ein besseres Angebot gefunden ist, kündigen. Der neue Anbieter übernimmt die Kündigung meist ohnehin.
- Nicht automatisch bleiben. Viele Verbraucher akzeptieren die Erhöhung stillschweigend. Genau darauf setzen die Versorger.
Ein Sonderfall betrifft die Grundversorgung. Hier gilt eine allgemeine Kündigungsfrist von zwei Wochen, unabhängig von Preiserhöhungen. Wer noch in der Grundversorgung ist, kann also jederzeit wechseln.
Sonderfälle beim Gasvergleich
Nicht jeder Haushalt passt in das Standardraster der Vergleichsrechner:
Gasheizung plus Kamin. Wer zusätzlich mit Holz heizt, hat einen stark schwankenden Gasverbrauch von Jahr zu Jahr. Hier lohnt ein Tarif ohne Mindestabnahme, damit der Bonus nicht an einer zu geringen Menge scheitert.
Erdgas als Kraftstoff. Für Erdgasautos gelten eigene Tarife. Der Vergleich läuft nicht über die üblichen Portale, sondern direkt über die Tankstellenbetreiber.
Mehrfamilienhaus mit Zentralheizung. Als Mieter kannst du den Anbieter nicht selbst wählen, weil der Vermieter den Vertrag hält. Sinnvoll ist dann, die Heizkostenabrechnung zu prüfen und den Vermieter auf günstigere aktuelle Gastarife hinzuweisen. Auch das kann die Nebenkosten spürbar senken. Wer ohnehin gerade sein Zuhause neu organisiert, findet passende Ansätze in den Tipps zur Haushaltsauflösung.
Gewerbliche Abnahme. Ab einem Jahresverbrauch von etwa 100.000 kWh greifen Sondervertragstarife mit individuellen Konditionen. Der klassische Gaspreisvergleich für Haushalte hilft hier nicht weiter.
Typische Fehler beim Gasvergleich
Drei Fehler kosten immer wieder Geld:
Nur auf den Bonus schauen. Ein Tarif mit 300 Euro Neukundenbonus kann im zweiten Jahr der teuerste am Markt sein. Sieh dir deshalb immer den Preis ohne Bonus an, denn diesen zahlst du ab Monat 13.
Den Verbrauch aus dem Bauch schätzen. Weicht der tatsächliche Verbrauch stark von der Angabe ab, stimmt der ganze Vergleich nicht mehr. Nimm die letzte Jahresabrechnung zur Hand.
Die Abschlagszahlung ignorieren. Manche Gasanbieter setzen den monatlichen Abschlag bewusst zu niedrig an. Das fühlt sich zunächst günstig an, führt aber zu einer hohen Nachzahlung nach zwölf Monaten.
Ein vierter Fehler betrifft die Kündigung. Manche Verbraucher kündigen selbst, bevor der neue Vertrag steht. Das ist unnötig und riskant: Kommt der Wechsel nicht zustande, landest du in der teuren Grundversorgung. Überlass die Kündigung immer dem neuen Anbieter.
Häufige Fragen zum Gaspreisvergleich
Wie viel kann ich durch einen Wechsel sparen? Bei einem Verbrauch von 20.000 kWh liegen zwischen Grundversorgung und günstigem Tarif oft 400 bis 600 Euro im Jahr. Wer schon einen Wechseltarif hat, spart meist noch 100 bis 200 Euro.
Wird die Gasversorgung beim Wechsel unterbrochen? Nein. Der Wechsel des Gasanbieters betrifft nur den Liefervertrag, nicht das Netz. Das Gas kommt weiter aus derselben Leitung.
Was passiert, wenn mein neuer Versorger insolvent wird? Dann übernimmt automatisch der örtliche Grundversorger. Vorausgezahltes Geld ist allerdings meist verloren, weshalb Vorauskasse-Tarife ein echtes Risiko darstellen.
Lohnt sich ein Tarif mit langer Preisgarantie? Bei erwartet steigenden Preisen ja. Bei fallenden Preisen zahlst du dagegen zu lange zu viel. Zwölf bis 24 Monate sind ein guter Kompromiss.
Fazit
Gaspreise vergleichen lohnt sich fast immer, besonders für alle, die noch in der Grundversorgung stecken und dort seit Jahren zu viel zahlen. Wichtig ist, nicht nur auf den ersten Platz in der Ergebnisliste zu schauen, sondern auf Preisgarantie, Laufzeit und die Kosten im zweiten Jahr.
Wer einmal jährlich die aktuellen Gaspreise vergleicht und dabei Vorauskasse konsequent ausschließt, kann mit minimalem Aufwand mehrere hundert Euro sparen. Ähnlich sieht es beim Strom aus: Auch dort lohnt sich der Blick auf Alternativen, etwa auf ein Balkonkraftwerk für grünen Strom zu Hause, das die Grundlast im Haushalt spürbar senkt.


