Autoritärer Führungsstil: Alleinige Entscheidungsmacht der Unternehmensführung

Der autoritäre Führungsstil ist im Vergleich zu anderen Führungsstilen recht veraltet und steht mittlerweile häufig in der Kritik. Hier fällt der Vorgesetzte allein die Entscheidungen. Er gibt die Anweisungen und die Mitarbeiter haben ihm Folge zu leisten, da sie nicht an den Entscheidungsprozessen beteiligt sind. Verbesserungsvorschläge kommen von oben und nicht von den Mitarbeitern. Raum für Kreativität ist dabei kaum vorhanden. Daraus resultiert eine gewisse Hierarchie. Allerdings kennt hier das Management die Mitarbeiter in komplexen Konzernen selten persönlich.  

Autoritäre Führung gibt klare Anweisungen und stellt Regeln auf 

Manger gibt klare Anweisungen
Quelle: Roman Samborskyi/Shutterstock.com

Der autoritäre Führungsstil nach Kurt Lewin entspricht dem autokratischen Stil nach Max Weber, der ihn als einen tradierender Führungsstil identifiziert. Wird dieser idealtypische Ansatz auf das Leiten und Führen im Team übertragen, dann sind eine zentrierte Kontrolle, Entscheidungsgewalt, Distanz und eine strenge Hierarchie zu erkennen. Dabei treffen die Entscheidungsträger einsame Entscheidungen und tragen die alleinige Entscheidungsverantwortung. Dieser Führungsstil kann zwar Prozesse anstoßen und manchmal auch eine Schutzfunktion haben, aber die Entscheidungsempfänger müssen den Anweisungen des Entscheidungsträgers blind folgen. Das bedeutet, sie müssen Gehorsam leisten und Lösungen, Haltungen und Meinungen kritiklos übernehmen. 

Merkmale des autoritären Führungsstils 

Führungspersonen mit autoritärem beziehungsweise autokratischem Führungsstil sind häufig fachlich sehr kompetent und ehrgeizig, um Unternehmensziele zu erreichen. Zudem geben sie im gesamten Arbeitsprozess des Unternehmens klare Regeln und Anweisungen vor. 

Weitere Merkmale: 

  • gebündelte Informationen auf Führungsebene 
  • alleinige Entscheidungsbefugnis des Vorgesetzten 
  • direkte und schnelle Entscheidungsprozesse 
  • Delegation der Aufgaben von oben nach unten 
  • eindeutige Zuständigkeiten und klar geregelte Kompetenzen 
  • Umsetzung der Anweisungen durch den Mitarbeitern ohne zu fragen 
  • nur kurze Leistungssteigerung möglich 

 

In vielen Firmen wird der autoritäre Führungsstil allerdings nicht mehr als zeitgemäß angesehen. Mit diesem Begriff sind außerdem oft negative Assoziationen verbunden wie unbedingter Gehorsam oder ein totalitäres Arbeitsumfeld. 

Vorteile eines autoritären Führungsstils  

Manager spielt Schach als Symbol für einen strategischen Führungsstil
Quelle: Shawn Hempel/Shutterstock.com

Speziell in Konflikt- und Krisensituationen kann ein autokratischer Führungsstil sinnvoll sein. Gerade dann, wenn es auf ein schnelles und entschlossenes Handeln ankommt. In bestimmten Ausnahmesituationen, wenn keine Zeit für Abwägungen und Diskussionen bleibt, muss ein Vorgesetzter die Verantwortung tragen und schnelle Entscheidungen treffen. Dabei ist es außerordentlich wichtig, dass die Anweisungen ohne Widerspruch ausgeführt werden.  

Sind Arbeitsprozesse überschaubar, lassen sie sich auch leicht kontrollieren und das Management kann die Arbeitsergebnisse und die Mitarbeiter direkt überprüfen. Zudem gibt es eine Leistungssteigerung, auch wenn sie meist nur kurz anhält.  

Ein autoritärer Führungsstil verschafft Klarheit, da keine Kompetenzabklärung notwendig ist und eindeutige Zuständigkeitsbereiche geregelt sind. Der Führungsstil erfordert außerdem weniger Kommunikation als andere Führungsstile. Es kann ohne Zeitverlust gehandelt werden. 

Nachteile eines autoritären Führungsstils  

Die Mitarbeiterzufriedenheit fällt bei diesem Führungsstil geringer aus als bei anderen Stilen. Denn bei bei der Anwendung von anderen Führungsstilen mit Beteiligungskultur fühlen sich Mitarbeiter eher wertgeschätzt und identifizieren sich leichter mit dem Unternehmen. Beim autoritären Führungsstil ist das nicht der Fall.  

Beim autoritären Führungsstil erhalten die Mitarbeiter zu wenig Handlungsspielraum. Viele Führungspersonen, die diesen Stil anwenden, fühlen sich unersetzlich, weshalb sich die Mitarbeiter kaum trauen, auch Verantwortung zu übernehmen. Außerdem werden die Initiativen und Motivationen der Mitarbeiter ausgebremst, sodass kostbare fachliche Ressourcen ungenutzt bleiben. Dadurch gehen sie dem Unternehmen verloren. Das kann auch öfter Fehlentscheidungen zur Folge haben.  

Da sich alle Aktivitäten auf den Chef als Entscheidungsträger konzentrieren, kommt es schnell zu Irritationen, wenn er einmal ausfällt. Außerdem leidet die Gesundheit der Mitarbeiter, da ihre Bedürfnisse keinen Platz im Unternehmen haben. Ebenso hoch wie der Krankenstand ist die Fluktuation in solch einem Unternehmen.  

Auf längere Zeit gesehen ist der autoritäre Führungsstil nicht nachhaltig. Die Entscheidungen, Lösungswege und Ziele eines Einzelnen sind selten so tragfähig wie die eines ganzen Teams.  

Warum autoritärer Führungsstil nicht mehr zeitgemäß ist 

Manager läuft auf Mühlrad
Quelle: Lightspring/Shutterstock.com

In den letzten Jahren haben sich die Anforderungen an ein Unternehmen geändert und damit auch die Anforderungen an den Führungsstil. Immer mehr müssen die Unternehmen die Aktivierung und Nutzung der Mitarbeiter mit ihren Potenzialen sicherstellen.  

Außerdem war es früher noch recht einfach die einzelnen Schritte der Arbeits- und Produktionsabläufe sowie die Ergebnisse der Arbeiten zu kontrollieren. Heute funktioniert das nicht mehr. Die vernetzten und immer komplexer werdenden Arbeitsabläufe machen eine umfassende Kontrolle unmöglich. Das bedeutet, der autoritäre Führungsstil ist eigentlich nicht mehr durchsetzbar. Heute sind die Führungskräfte außerdem dazu angehalten, das Vertrauen ihrer Mitarbeiter zu erhöhen und nur gezielt bestimmte Ergebnisse zu kontrollieren. 

In der heutigen Zeit ist es wichtig, dass Mitarbeiter motiviert und kreativ sind, um ihre Aufgaben kompetent und akkurat zu erledigen. Ein Mitarbeiter der modernen Zeit ist kein mechanischer Arbeiter. Er ist kein Roboter, der stupide Bewegungsabläufe im Arbeitsprozess ausführt. Es sind seine Ideen, seine Kreativität sowie seine Eigenverantwortung und Motivation, die ihn auszeichnen. Ob in der Produktionshalle, in der Kundenreklamation, im Vertrieb oder in der Entwicklung, ohne diese Eigenschaften können die Tätigkeiten und Herausforderungen der heutigen Zeit nicht gemeistert werden. 

Im autoritären Führungsstil werden die Mitarbeiter zudem ausgebremst, was äußerst kontraproduktiv ist. Gerade in der heutigen Zeit sollten Führungskräfte ihre Mitarbeiter durch Weiterbildung oder finanzielle Anreize motivieren. Ebenso sind spezielle Brainstormings von großem Vorteil, denn dabei wird die Kreativität der einzelnen Mitarbeiter aktiviert. Außerdem unterstützen ein erhöhter Informationsfluss und transparente Entscheidungen die Eigenverantwortung der Mitarbeiter.  

Eine Führungskraft kann heute nicht mehr alles anweisen  

Früher verfügte eine Führungskraft über mehr Wissen als ihre Mitarbeiter. Deshalb konnte damals eine einzige Führungskraft die Arbeiten und Aufgaben den einzelnen Mitarbeitern zuweisen. Heute funktioniert das nicht mehr in diesem Maße. Viele Mitarbeiter sind Experten auf ihrem Gebiet und verfügen meist über mehr Know-how, Erfahrung und Wissen als manche Führungskraft. Deshalb sind die Führungskräfte heute besonders gefordert und sollten das Wissen ihrer Mitarbeiter gezielt abfragen. Ebenso ist es wichtig, die Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse und Überlegungen einzubinden. Dabei ist es auch sinnvoll, dass Vorgesetzte die Meinungen ihrer Mitarbeiter einholen. 

Aufgrund veränderter Rahmenbedingungen hat der autoritäre Führungsstil in vielen wirtschaftlichen Unternehmen ausgedient. Heute spielen die Kreativität der einzelnen Mitarbeiter und der Teamgeist eine wichtige Rolle. Außerdem wird Augenmerk auf Flexibilität und Kundenorientiertheit gelegt. Dazu ist es notwendig, die Distanz zwischen Führungsebene und Mitarbeitern abzubauen. 

Was halten Sie vom autoritären Führungsstil? Würden sie ihn anwenden? Wenn ja, in welchen Situationen? 

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