Alternative und flexible Arbeitszeitmodelle

Die zunehmende Flexibilisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt sowie die sich verändernden Bedürfnisse von Mitarbeitern und neuen Generationen auf dem Arbeitsmarkt prägen die Gestaltung von Arbeit nachhaltig. Veränderung und Anpassung wird dabei nicht nur zu einer puren Notwendigkeit, sondern bietet weitreichende Chancen für Unternehmen und Mitarbeiter. Manager und Führungskräfte in Unternehmen haben bei der Gestaltung der Arbeit weitreichende Möglichkeiten – daher gilt es flexible Arbeitszeitmodelle zu kennen, zu nutzen und an die Bedürfnisse der Mitarbeiter anzupassen.

Arbeit im Umbruch – Warum flexible Arbeitszeit?

Durch flexible arbeitszeit mehr work life balance - bauklotze mit teilen der Balance
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Während der klassische 9 – 5 Uhr jahrzehntelang als wünschenswerter Standard galt und die meisten Arbeitnehmer in Vollzeit tätig waren, hat sich der Arbeitsmarkt in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert – die Vereinbarkeit von Job und Familie, der Fokus auf Selbstverwirklichung im Beruf und lebenslanges Lernen und der Bedarf an flexiblen, mobilen Mitarbeitern schaffen neue Rahmenbedingungen für die Arbeit.

Vollzeitjobs mit festen Arbeitszeiten werden immer seltener. Flexible Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit oder die Teilzeit sind schon länger verbreitet und viel genutzt. Neuere Ansätze wie Job Sharing oder das immer beliebter werdende Homeoffice bzw. ortsunabhängiges Arbeiten rücken erst seit ein paar Jahren immer weiter in den Vordergrund. In einigen Ländern, wie zum Beispiel in Schweden, wird sogar in einigen Regionen sogar mit sogenannten 6-Stunden Arbeitstagen experimentiert.

Arbeitszeitkonten oder die Jahresarbeitszeit und das Konzept des Sabbaticals ermöglichen es Mitarbeitern, ihre Arbeitszeit langfristig zu planen und mit ihren persönlichen Plänen in Einklang zu bringen, ohne dabei die Bindung zum Unternehmen zu verlieren. Flexiblere, alternative Modelle schaffen Anreize, qualifizierte Mitarbeiter zu binden und ziehen neue Talente an. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

Flexible Arbeitszeitmodelle im Überblick

Das am weitesten verbreitete Modell von flexibler Arbeitszeit ist die Teilzeitarbeit. Teilzeit kann sowohl eine verringerte Wochenarbeitszeit (zum Beispiel 4 oder 6 Stunden täglich) oder Arbeit an einer reduzierten Anzahl an Tagen pro Monat bedeuten. Traditionell sind es vor allem Frauen, die in Teilzeitbeschäftigungen arbeiten.

Job Sharing ist eine Variante der Teilzeitarbeit, bei der sich zwei Mitarbeiter eine Stelle teilen und die Arbeit aufeinander abstimmen. Job Sharing erfordert viel Koordination und Absprache, kann aber eine gute Alternative für Unternehmen sein, die auf Vollzeitstellen bestehen und dennoch flexible Arbeitsmodelle mit verringerter Arbeitszeit anbieten möchten.

Gleitzeit bedeutet, statt zu festen Arbeitszeiten lediglich nach festgelegten Kernarbeitszeiten zu arbeiten – über die genauen Arbeitszeiten entscheidet der Mitarbeiter. Angestellte schätzen die Flexibilität und die verbesserten Bedingungen, Berufs- und Privatleben zu koordinieren.

In einigen Unternehmen gibt es gar keine geregelten Arbeitszeiten oder Stunden mehr – die Vertrauensarbeitszeit basiert auf der Idee, dass der Mitarbeiter seine Arbeit autonom organisiert und seine Ziele auch ohne feste Arbeitszeitvorgaben erreicht. Einige Unternehmen gehen sogar soweit, unbegrenzte Urlaubstage anzubieten.

Arbeitszeitkonten bieten eine interessante Alternative zu festen Arbeitszeiten. Der Arbeitnehmer sammelte so Stunden an, welcher er in Absprache mit dem Unternehmen leistet – überzählige Stunden kann er zu einem späteren Zeitpunkt bezahlt freinehmen und so zum Beispiel eine längere Auszeit wie ein Sabbatical verwirklichen. Seine Bindung zum Unternehmen geht dabei nicht verloren.

Die Jahresarbeitszeit ist ähnlich wie das Arbeitszeitkonto aufgebaut. Die Arbeitszeit wird statt wöchentlich bzw. täglich jährlich definiert und an Schwankungen im Unternehmen, zum Beispiel durch eine variierende Auftragslage, angepasst.

Immer mehr Unternehmen bieten heutzutage Homeoffice an, in den meisten Fällen geschieht dies an 1-2 Tagen pro Woche oder nach Vereinbarkeit. Andere Unternehmen setzten bereits auf ganze online Teams, die auf digitalen Plattformen kollaborieren. Während Homeoffice bzw. ortsunabhängiges Arbeiten in der Kreativbranche oder unter Freelancern bereits Standard ist, ist der Trend zum Homeoffice in Deutschland noch weniger ausgeprägt als zum Beispiel in den USA.

Flexible Arbeitszeitmodelle – Vor- und Nachteile

glücklicher Mitarbeiter durch flexible Arbeitszeitmodelle
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Flexiblere Arbeitszeit führt zu einer verbesserten Work-Life-Balance und ermöglicht vor allem Eltern und pflegenden Angehörigen Flexibilität, ist aber auch beliebt um die Arbeit dem persönlichen Lebensrhythmus anzupassen. Dies führt zu einer erhöhten Mitarbeiterzufriedenheit und damit langfristig zu weniger Fluktuation.

Das Experiment der 6 Stunden Woche hat gezeigt, dass Mitarbeiter in 6 Stunden produktiver und zufriedener arbeiten, als wenn sie die Arbeit in 8 erledigen – sie sind fokussierter und ausgeglichener, da sie über mehr Freizeit verfügen.

Unternehmen, die Vertrauensarbeitszeit oder Homeoffice anbieten, müssen sich mit dem Thema Vertrauen und Kontrolle beschäftigen. Durch Teilzeit und Job Sharing entsteht ein erhöhter Kommunikationsbedarf und Koordination. Durch die erschwerte Kontrolle der Arbeitszeiten wird die ausgeglichene Verteilung von Arbeit und Ressourcen erschwert und Überstunden bleiben möglicherweise unsichtbar, zu wenig ausgelastete Mitarbeiter ebenfalls. Sabbaticals. Jobsharing und die Option, Teilzeit zu arbeiten erfordern eine langfristige Planung im Unternehmen und stellen bei der Verteilung von Aufgaben und Projekten eine Herausforderung dar.

Wie flexibles Arbeiten gelingt

Unternehmen, die sich für alternative Arbeitszeitmodelle öffnen oder Experimente wagen, können viel gewinnen. Einige wichtige Punkte gilt es bei der Planung und Implementierung zu berücksichtigen:

Mitarbeiterbedürfnisse ernst nehmen und verstehen sowie Arbeitszeitmodelle ans Unternehmen anpassen ist essenziell. Denn nur so gelingt flexibles Arbeiten.

  • Ständige Kontrolle und Evaluation der angebotenen Arbeitszeitmodelle.
  • Dokumentation von tatsächlich geleisteter Arbeitszeit und erreichten Zielen.
  • Offener Dialog über Verantwortlichkeiten, Herausforderungen und Grenzen der flexiblen Arbeit schaffen.
  • Flexibilität und Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitszeitmodellen ermöglichen, denn Lebenssituationen und Unternehmensbedürfnisse verändern sich.
  • Neues wagen und sich von Profis bei der Implementierung unterstützen lassen, denn auf dem Papier allein lässt sich keine Veränderung bewirken.
  • Flexible Arbeitszeitmodelle sollten eine Win-Win-Situation darstellen, wenn eine Seite zu viel gibt, muss das Arbeitszeitmodell überdacht werden.

Unternehmen stehen, genau wie Menschen, vor neuen Herausforderungen und müssen, besonders in Zeiten ständiger Veränderung und Konkurrenz, anpassbar sein. Flexible oder alternative Arbeitszeitmodelle bieten Unternehmen und Mitarbeitern Möglichkeiten, auf veränderte Anforderungen zu reagieren, das Unternehmen und seine Mitarbeiter als Einheit zu begreifen und die verfügbaren Ressourcen bestmöglich einzusetzen.

Manager und Führungskräfte, die sich für neue Konzepte und Experimente zugunsten von Mitarbeiter und Unternehmen einsetzen, beweisen zukunftsorientiertes Denken und setzen die richtigen Impulse.

 

Quellen:

https://www.kofa.de/mitarbeiter-finden-und-binden/mitarbeiter-binden/flexible-arbeitszeiten
https://www.personalwirtschaft.de/der-job-hr/arbeitswelt/artikel/flexible-arbeitszeitmodelle-im-ueberblick.html
https://partner.mvv.de/blog/moderne-arbeitszeitmodelle-so-garantieren-sie-die-zukunftsfaehigkeit-ihres-unternehmens
https://t3n.de/magazin/vor-nachteile-unbegrenzten-urlaubs-flexible-243853/
https://www.monster.de/karriereberatung/artikel/was-flexible-arbeitszeitmodelle-bringen

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