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Führungsrollen – Eine Führungskraft, viele Facetten

Führungskräfte haben einen bedeutenden Einfluss auf ihre Mitarbeiter, tragen Verantwortung für ganze Teams und sind den Erwartungen ihrer Mitarbeiter und anderer Akteuren im Unternehmen ausgesetzt. Die Erwartungen an das Verhalten eines Menschen produziert sogenannte Rollenbilder. Rollen nehmen Menschen in allen Lebensbereichen ein – als Führungskraft kommt es dabei auf einige Besonderheiten an. Führungskräfte, die sich mit ihren Führungsrollen auseinandersetzen und sich ihrer Wirkung bewusst sind, können flexibler agieren und auf die Erwartungen aller Akteure selbstbewusst eingehen.

Was ist eine Rolle?

Managerin mit verschiedenen Gesichtern
Quelle: lassedesignen/Shutterstock.com

Im Leben nehmen alle Menschen verschiedene Rollen ein – so sind wir zum Beispiel zugleich Chef, Vater, Bruder, Ehemann und bester Freund. In der Soziologie spielt der Begriff der Rolle eine große Bedeutung. Er kommt ursprünglich aus dem Theaterbereich und beschreibt den einem Menschen zugeschriebenen Status und die damit verbundenen Erwartungen. Egal, ob im Berufs- oder Privatleben: Rollenbilder sind immer an bestimmte Erwartungen und ihre Erfüllung geknüpft. Kann sich ein Mensch nicht mit der ihm zugeschriebenen Rolle und den damit verbundenen Erwartungen identifizieren und nicht zwischen verschiedenen Rollen situativ entscheiden oder steht in einem zeitlichen oder persönlichen Konflikt bezüglich seines Rollenmanagements, kommt es zu einem Rollenkonflikt. Eine Führungskraft, die beispielsweise zugleich der beste Freund einer ihrer Mitarbeiter ist, stößt früher oder später auf Herausforderungen.

Eine Führungskraft erfüllt unausweichlich eine Vielzahl an Aufgaben und nimmt verschiedene Rollen ein. Vorgesetzter, Kollege, Mitarbeiter – bereits auf den ersten Blick wird klar, dass die Rollenerwartung variiert, je nach dem aus welcher Perspektive man die Führungskraft betrachtet. Zusätzlich fungiert die Führungskraft je nach Situation und Beziehung auch noch als Vermittler, Coach, Mentor und Manager. Führungskräfte, die sich mit ihrem Rollenverständnis beschäftigen, können leichter mit den an sie gerichteten Erwartungen umgehen und ihre Rollen bewusster wahrnehmen und gestalten.

Ihr Rollenverständnis – Worauf kommt es an?

Führungskräften muss bewusst sein, dass Führung mehr ist als das Managen von Prozessen und Produkten – stattdessen steht im Fokus der Führungsaufgaben meistens das Steuern von Teams und der Umgang mit den Mitarbeitern, deren Verhalten die Führungskraft durch ihre Arbeit lenkt. Da Führung in einem sozialen Kontext stattfindet, sind Soft Skills und die Auseinandersetzung mit menschlichem Verhalten unerlässlich. Soziale Kompetenzen sind für Führungskräfte daher besonders wichtig – in der Unternehmensrealität wird fachliche Kompetenz in der Regel aber als höherrangig eingestuft.

Das Rollenverständnis von Führungskräften ist eng an die im Unternehmen existierende Unternehmenskultur geknüpft. An Führungskräfte in internationalen Unternehmen, traditionellen, familiengeführten Unternehmen und Startups werden jeweils andersartige Erwartungen gerichtet, da auch die Unternehmenskultur ganz individuell variiert. Auch Status und Hierarchie sind wichtige Aspekte, wenn es um das Rollenverständnis einer Führungskraft geht. Die Bedeutung dieser variiert jedoch je nach Unternehmen und Person.

Führungsrollen im Überblick – Ein Ansatz

Führungsrollen auf Aktenordnern
Quelle: igorstevanovic/Shutterstock.com

Führungskräfte haben aufgrund ihrer Position im Unternehmen verschiedene strategische Rollen zu erfüllen. Einige Theoretiker unter ihnen, so auch Mintzberg kategorisieren die verschiedenen Manager- und Führungsrollen entsprechen ihrer Funktion, um das Verständnis der unterschiedlichen Rollen zu erleichtern:

Interpersonale Rollen:

Repräsentant (figurehead): Erfüllen Repräsentationsaufgaben und vertreten das Unternehmen nach außen und innen

Führer (leader): Fokussiert auf Aufgaben in Bezug auf Mitarbeiter (Personalbeschaffung, Personalentwicklung, Motivation etc.)

Koordinator (liason): Managt Kontakte und baut diesen unternehmensintern und extern aus

Informationsrollen:

Informationssammler (monitor): Sammelt Informationen, die dem Unternehmen dienen

Informationsverteiler (disseminator): Verantwortet das Kommunikationsmanagement und die Weitergabe von Informationen

Informant von externen Gruppen (spokesperson): Kümmern sich um die externe Kommunikation

Entscheidungsrollen:

Unternehmer (entrepreneur): Fokussiert sich auf Innovationsmöglichkeiten und treibt den Wandel im Unternehmen an

Krisenmanager (disturbance handler): Managt unternehmensinterne Krisen

Ressourcenzuteiler (resource allocater): Entscheidet über die Vergabe von Ressourcen im Unternehmen

Verhandlungsführer (negotiator): Vertritt das Unternehmen in externen Verhandlungen

Je nach dem, welche Rolle und Aufgaben die Führungskraft einnimmt, verändert sich ihr Verhalten. Führungskräfte sollten in der Lage sein, wahrzunehmen, in welcher Rolle Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt agieren und was von ihnen in dieser Situation erwartet wird. Auf diese Weise können Konflikte verhindert werden. Konflikte bezüglich der Führungsrollen im Unternehmen sind ganz natürlich – schließlich erfüllen Führungskräfte viele verschiedene Funktionen und sind auch nur Menschen. Führungskräfte sind Manager, Entscheider, Gesprächsleiter, Innovatoren, Vermittler, Motivatoren, Krisenmanager, Kollegen und Vorgesetzte zu gleich und sind zudem mit einer Vielfalt an unterschiedlichen Erwartungen und Situationen konfrontiert.

Ein passendes Stichwort in diesem Kontext ist der Begriff Rollenmanagement. Unter Rollenmanagement wird das bewusste Einnehmen der jeweils erforderten Rolle und ihrer Ausübung verstanden.

Führungsrollen erfolgreich meistern

zufriedener Manager
Quelle: Pressmaster/Shutterstock.com

Als Führungskraft ist es wichtig, über die eigene Rolle und an die an sie gerichteten Erwartungen zu reflektieren. Führungskräfte, die Feedback einholen und sich mit ihren Rollen auseinandersetzen, können flexibler agieren. Beschäftigen Sie sich mit Ihren Aufgaben, der Struktur Ihres Teams und der Unternehmenskultur und versuchen Sie ein Verständnis für die Erwartungen Ihrer Mitarbeiter zu entwickeln. Selbstverständlich ist die Führungskraft nicht immer in der Lage, alle Erwartungen zu erfüllen und ihre Rollen im Gleichgewicht auszuüben, sondern erlebt Konflikte und Widersprüche sowie Druck und Stressgefühle. Viele Führungskräfte sind sich in der Realität nicht einmal darüber im Klaren, was ihre Mitarbeiter von ihnen erwarten und welches Rollenverständnis ihre Mitarbeiter ihnen entgegenbringen. Nicht selten kommt es daher dazu, dass die Erwartungen und Bedürfnisse der Mitarbeiter unerfüllt bleiben und Unzufriedenheit entsteht – Unzufriedenheit mit dem Verhalten des Chefs aufgrund von unterschiedlicher Erwartungen ist einer der Hauptkündigungsgründe.

Führungskräfte, die von ihren Mitarbeitern als positiv erlebt werden, kennen ihre Rollen und können diese bewusst gestalten. Sie finden daher eine gute und an die Unternehmenskultur angepasste Balance zwischen Autorität und Distanz sowie Verständnis und Kooperation im Umgang mit ihren Mitarbeitern, kommunizieren besser und wirken authentisch und selbstbewusst.

Kaum eine Führungskraft ist von Anfang an umfassend auf Ihre Rolle vorbereitet. Glücklicherweise lassen sich Rollen aber erlernen und an die Persönlichkeit der Führungskraft anpassen. Feedback durch Dritte kann beim Erlernen der eigenen Rollen und der Entwicklung eines aktiven Rollenmanagements helfen, da Selbst- und Fremdwahrnehmung oft voneinander abweichen. Kollegiale Beratung oder speziell an Führungskräfte gerichtetes Training kann dabei unterstützen, sich der eigenen Führungsrolle bewusst zu werden und die Erwartungen aller Akteure zu verstehen und zu hantieren. Ein reflektiertes Rollenverständnis befähigt Führungskräfte, ihre Führungsaufgaben erwartungsgemäß zu erfüllen und flexibel zu agieren und tragen mit ihrem Verhalten im Endeffekt zum Unternehmenserfolg bei.


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