Verkaufen auf Amazon Teil 3 – Anmeldung, Produkte einstellen & Preisfindung

Wie letzte Woche in Teil 2 bereits angekündigt, geht’s heute ans Eingemachte. Wir nehmen uns die Anmeldung bei Amazon als Verkäufer, das Produkte einstellen und die Preisfindung vor. Bei jedem dieser Punkte  gibt es gewisse Dinge zu beachten. Deshalb werde ich versuchen, alles sehr praxisnah zu beschreiben.

Let’s get ready to rumble!

Die Anmeldung bei Amazon

Um deine Produkte bei Amazon verkaufen zu können, benötigst du zunächst ein eigenes Verkäufer-Konto. Dafür besuchst du die Amazon-Startseite und klickst oben links auf den Link „Verkaufen“. Manchmal taucht es auch woanders auf. Alternativ kannst du auch die Seite services.amazon.de aufrufen.

Bereits jetzt gilt es, eine wichtige Entscheidung zu treffen. Amazon möchte nämlich von dir wissen, ob du „einzelne“ oder „viele“ Artikel verkaufen willst. Hiermit ist gemeint, ob du den Verkauf von Produkten bei Amazon nur mal ausprobieren, bzw. lediglich privat nutzen möchtest, oder ob du den Marktplatz als professioneller Händler nutzen möchtest. Du hast dabei die Möglichkeit, den gewählten Verkäuferstatus später jederzeit zu ändern und kannst von daher ruhig zunächst die Version für den Verkauf von einzelnen Produkten ausprobieren, um dir einen Eindruck zu verschaffen.

Entscheidest du dich für einen „Professional Seller“ Account, dann erhebt Amazon hier eine monatliche Gebühr in Höhe von 39,00 Euro (die ersten 30 Tage sind aktuell gratis). Als privater Verkäufer fällt allerdings 1€ pro verkauftem Artikel an. Insofern zahlt sich der Professional Seller Account schnell aus, wenn man es ernst meint. Davon abgesehen hat der private Account stark eingeschränkte Tools, die man absolut benötigt, um erfolgreich auf Amazon zu verkaufen.

Nachdem du deine Entscheidung getroffen hast, wirst du zur Amazon-Anmeldeseite weitergeleitet, die du von eigenen Einkäufen auf dem Marktplatz sicher schon kennst. Wenn du schon ein Kundenkonto bei Amazon hast, dann kannst du dessen Daten verwenden, um dich anzumelden. Hast du bislang noch keinen solchen Account oder willst deine Einkaufs- von deinen Verkaufsaktivitäten getrennt halten, dann kannst du auch durch die Eingabe einer anderen gültigen E-mail-Adresse und eines Passworts an dieser Stelle ein neues Konto eröffnen.

Amazon informiert dich jetzt über ein paar Formalitäten – geltende Bestimmungen, Regeln für Verkäufer usw. – denen du zustimmen musst. Danach muss eine Reihe von Formularen mit deinen Firmen- und Geschäftsinformationen ausgefüllt werden.

Weil mich die Frage damals auch beschäftigt hat – du benötigst keinen Eintrag in Handelsregister – sofern du nicht als eingetragener Kaufmann/frau agieren willst. In unserem Fall ist dies nicht nötig.

Abschließend wird die von dir angegebene Telefonnummer überprüft. Damit ist die Einrichtung deines Verkäufer-Kontos abgeschlossen. Alle von dir angegebenen Daten und Dokumente, die du hochladen musstest werden überprüft, was ein paar Tage dauern kann. Sobald dieser Vorgang abgeschlossen ist, wirst du benachrichtigt und kannst damit beginnen, deine Produkte auf dem Amazon-Marktplatz anzubieten.

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Bereitgestellt und Prüfung ausstehend

Steuern und Rechtliches

Innerhalb der Einstellungen zu deinem Verkäufer-Konto solltest du direkt am Anfang die rechtlich erforderlichen Daten angeben, um spätere Konflikte mit Kunden oder Abmahnungen zu vermeiden. Du findest den entsprechenden Bereich oben rechts unter „Einstellungen > Ihre Informationen und Richtlinien“. Gib außerdem, sofern vorhanden, direkt deine Umsatzsteuer-ID im Anmeldeformular an. Nur auf diese Weise erhältst du umsatzsteuerbefreite Rechnungen von Amazon. Wenn dir diese noch nicht vorliegt, dann kannst du die Anmeldung dennoch erstmal fortführen, indem du in Großbuchstaben “KEINE” angibst und trägst die Umsatzsteuer-ID einfach nach.

Bestimmungen und Verbote

Du genießt auf Amazon als Verkäufer wirklich viele Möglichkeiten und Optionen, um deine Produkte erfolgreich über den virtuellen Ladentisch zu bringen. Dabei gelten aber eben auch bestimmte Regeln und Verbote, an die du dich zu halten hast. Während des Anmeldeprozesses erhältst du die Gelegenheit, die entsprechenden Richtlinien und Regelwerke aufzurufen. Hiervon solltest du unbedingt Gebrauch machen, denn bei Verstößen gegen die Bestimmungen fliegst du schneller, als du gucken kannst. Je nach Härte, drohen dir Verwarnungen und sogar der vollständige Ausschluss vom Amazon Marktplatz, was fatal wäre. Ich kann dir daher nur nahe legen, die bestehenden Richtlinien sorgfältig durchzulesen.

Produkte einstellen

Im nächsten Schritt kannst du damit beginnen, im Amazon Seller Central Portal deine Produkte einzustellen, um auch ans Geld verdienen zu kommen.

Grundsätzlich bietet Amazon seinen Verkäufern zwei Möglichkeiten zur Einstellung von Produkten. Du kannst sie entweder alle einzeln anlegen, oder größere Mengen von Artikeln per Textdatei hochladen. Letzteres ist allerdings nur für Leute, die schon mit eigenem Shop Onlinehandel betreiben und in ihrem Warenwirtschaftssystem ohnehin bereits detaillierte Produktdaten in Listenform vorliegen haben. Das ist bei mir und bei euch wahrscheinlich in der Form nicht der Fall.

Für die manuelle Variante, füllst du einfach die Formulare aus, die dir unter „Lagerbestand > Produkt hinzufügen“ zur Verfügung gestellt werden.

Etwas komplizierter wird die Einstellung von Produkten, die bisher noch nicht im Amazon-Katalog gelistet sind, also die noch von niemandem sonst verkauft werden. Prüfe daher unbedingt im Vorfeld, ob dein Artikel bereits auf dem Marktplatz zu finden ist. Eine ganz normale Suche im Kundenbereich oder gezielt nach einem Produktcode zu suchen, reicht in der Regel aus.

Allerdings ist das Verkaufen von Produkten die es noch nicht 1:1 so gibt, genau der Ansatz den ich verfolge. Ich möchte meine eigene Marke verkaufen und diese nach und nach mit neuen Produkten erweitern. Private Labelling nennt sich das. Ich kaufe ungebrandete Produkte bei einem Hersteller, lasse diese mit meinem eigenen Logo versehen, und kann so meine eigene Marke auf Amazon verkaufen.

Auf Alibaba.com findest du alles vom Zahnstocher bis zum Gabelstapler. Hier kannst du so ziemlich jedes Produkt dass es gibt, als „white label“ kaufen und mit deinem eigenen Logo branden lassen. Zack, hast du deine eigene Marke. Wichtig ist meiner Meinung nach allerdings, dass es Produkte sind, die es in der einen oder anderen Art schon auf Amazon gibt, die also eine rege Nachfrage haben, aber Raum zur Verbesserung bieten. Sei es in der Präsentation, sprich Branding, Fotos etc., oder am Produkt selbst. Oder beides. Aber mehr dazu in einem anderen Teil.

Das Amazon-System unterstützt beim Listen der Produkte die EAN (European Article Number), GTIN (Global Trade Item Number), die ISBN (International Standard Book Number), den UPC (Universal Product Code) und die ASIN (Amazon Standard Identification Number, welche jedes Produkt intern von Amazon zusätzlich erhält). Wenn du deinen Artikel unter keiner der genannten Angaben finden kannst, wurde er offensichtlich noch nicht im Amazon-Katalog gelistet. Dies trifft dann sowieso auf Produkte zu, die du selber hergestellt hast, herstellen lässt oder mit eigenem Logo hast labeln lassen. Kann schließlich noch niemand anderes verkaufen.

Bevor du diese bei Amazon listen kannst, benötigst du zwingend eine individuelle EAN bzw. GTIN (Global Trade Item Number). Es gibt zahlreiche Anbieter, bei denen du deine Codes erwerben könntest. Allerdings gibt es nur eine offizielle Adresse hierfür, die von Amazon gewünscht wird. Diese ist GS-1 Germany. Die Codes sind dort nicht grade billig und schlagen beim kleinsten Paket (1000 Codes) mit 230€ plus 150€ Jahresgebühr zu Buche. Zuzüglich Mehrwertsteuer. Ärgerlich, da man vorher sehr günstig und in weit kleineren Paketen Codes auf Seiten wie ean-code.eu erworben konnte. Offiziell waren diese zwar vorher auch nicht, aber man hatte bis kürzlich nichts zu befürchten.

Edit: Am 29.06.2016 hat Amazon eine Änderung in ihren Bestimmungen vorgenommen, nachdem eine kleine Panikwelle unter den Verkäufern mit inoffiziellen Codes losgetreten ist.

“Wir überprüfen die Echtheit der Produkt-EANs/UPCs mithilfe der GS1-Datenbank. EANs/UPCs, die nicht mit den Daten von GS1 übereinstimmen, werden als ungültig eingestuft. Wir empfehlen, EANs/UPCs direkt von GS1 zu erwerben (und nicht von Dritten, die EAN/UPC-Lizenzen verkaufen), um sicherzustellen, dass die korrekten Informationen in der GS1-Datenbank hinterlegt sind.”

Bitte sehe davon ab, ohne einen offiziellen Produkt-Code einen Artikel einzustellen. Du stehst selbst in der Verantwortung und solltest unbedingt nach Amazons Spielregeln handeln, wenn du von dieser tollen Einkommensquelle langfristig profitieren möchtest.

Ein Hack meinerseits: GS1 gibt es auch in Holland. Dort gibt es kleinere Pakete von Nummern und sind somit viel kostengünstiger zu bekommen. Schreib hierfür allerdings eine Mail an info@gs1.nl

Und bestelle nicht über das Formular auf der Website. Das kann man nur als Holländer ausfüllen, da es auch Felder gibt, die man als Deutscher nicht beantworten kann. Mit den Nummern aus Holland hast du soeben etwa 400€ gespart. Gern geschehen.

So würde die Einstellung deines Produktes auf Amazon beginnen:

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FBA ean hinzufügen

Schlüsselwörter für die Produktsuche

Wenn du deine Produkte bei Amazon einstellst, stehen dir umfangreiche Möglichkeiten zur Dokumentation zur Verfügung. Eine besonders wichtige Rolle spielen hierbei die Schlüsselwörter/Keywords, die du einem Produkt beim Anlegen zufügen kannst und von deren Auswahl abhängt, wie gut der Artikel später von Kunden gefunden wird. Versetze dich bei der Festlegung deiner Schlüsselwörter stets in deine potenziellen Kunden und versuche herauszufinden, unter welchen Suchbegriffen nach genau deinem Produkt recherchiert werden könnte.

Je besser dir die Auswahl der Schlüsselwörter gelingt, desto häufiger wird dein Produkt gefunden. Du kannst die Wörter alle nacheinander, lediglich getrennt durch ein Komma oder ein Leerzeichen in das Feld für allgemeine Schlüsselwörter eintragen, bis dir die Ideen oder der Platz ausgehen. Die Platinum Schlüsselwörter kommen bisher nur für Premium Seller in den USA zum Tragen und müssen von dir zunächst nicht beachtet werden.

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Amazon Service seller central keywords hinzufügen

Ein wirklich tolles Tool bei der Suche nach Schlüsselwörtern ist der Keyword Tool Dominator. Drei Suchanfragen täglich sind gratis. Nicht die Welt, aber die Amazon Variante kostet lebenslang auch nur einmalig $20. Dabei kann man jeden Amazon Marktplatz weltweit aussuchen. Das Wort das man zur Suche eintippt, wird dann durch alle Suchanfragen-Wortkombinationen ergänzt, die sonst noch mit dem von dir eingegebenen Wort bei Amazon gesucht werden. Ein solches Tool ist meiner Meinung nach essentiell, um bei möglichst vielen variablen Suchanfragen mit aufzutauchen und ist das kleine Geld wirklich wert.

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Keyword Tool Dominator

Aber auch Keyword Tools wie Kewordtool.io oder Hypersuggest sind tolle Varianten.

Die Preisfindung

Von deinen Preisen hängt zum einen ab, wie viele Kunden du zum Kauf überzeugen wirst, welchen Profit du beim Verkauf erreichst, oder ob du auf deiner Ware sitzen bleibst. Einen angemessenen Preis festzulegen ist nicht einfach, aber diese Werte entscheiden letzten Endes, ob du von deinem Amazon Business leben kannst, oder ob du scheiterst. Es ist aber eigentlich nur simpelste Mathematik.

Sind deine Preise zu hoch, dann würdest du zwar theoretisch eine nette Marge beim Verkauf des Artikels verdienen. Dafür gehört dein Angebot aber wahrscheinlich nicht mehr zu den gefragtesten, was wiederum zur Folge hat, dass sich nur wenige, oder niemand für einen Einkauf bei dir entscheiden, sondern man stattdessen der Konkurrenz den Vorrang gibt.  Und Null mal X ist nunmal immer noch Null.

Doch das Ganze geht auch umgekehrt. Setzt du den Verkaufspreis nämlich so niedrig an, dass die meisten Kunden sich für dein Angebot entscheiden, dann fällt dein Gewinn wahrscheinlich so knapp aus, dass du an den Verkäufen nur wenig Freude haben wirst, oder bei schlechter Kalkulation vielleicht sogar Verlust machst. Deine Preisfindung sollte sich von daher immer an einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Verkaufschance und Gewinn orientieren. Wichtig ist, dass du bei deinen Kalkulationen wirklich alle Kosten berücksichtigst, die im Zusammenhang mit dem Produktverkauf stehen.

Da wären deine eigenen Einkaufskosten, die Versandgebühren, das Verpackungsmaterial, eventuelle Import- und generelle Steuern die du zu zahlen hast, Werbung, EAN Codes oder die Provision, die du an Amazon zahlen musst. Führe dir dabei immer vor Augen, dass nicht der Umsatz entscheidend ist, den du erzielst, sondern der Gewinn, den du mit dem Verkauf deiner Produkte einfährst.

Gerade Anfängern im Online-Handel auf Amazon passiert es nicht selten, dass sie aufgrund zu niedriger Preise Verluste erleiden, die ihnen bereits kurzfristig die Existenz rauben. 100.000€ Umsatz klingen spektakulär, sind aber nichts wert, wenn nichts davon hängen bleibt. Das kostenlose Amazon Kalkulationstool von Amalytix hilft dir hier enorm.

Die Konkurrenz schläft nicht

Der Preis deines Produktes ist nie ein isolierter Wert. Er steht immer in engem Zusammenhang mit den Preisen anderer Anbieter. Das gilt in besonderer Weise für einen Marktplatz wie Amazon, bei dem der Kunde auch immer die Preise deiner Mitbewerber im direkten Vergleich zu Gesicht bekommt. So wie du hoffentlich selber im Rahmen deiner Preisfindung auf die Angebote der Konkurrenz achtest, so haben natürlich auch deine Preise einen Einfluss auf das Verhalten deiner Mitstreiter, dass du daher im Auge behalten solltest. Ein regelmäßiger Kostencheck zu den von dir angebotenen Produkten, ist aus Wettbewerbssicht daher unverzichtbar.

Ich hoffe der Kopf qualmt noch nicht und Teil 3 der Amazon-Reihe war dir eine Hilfe. Ich freue mich über dein Feedback! In Teil 4 machen wir uns dann im Detail gemeinsam an die Produktbeschreibung und schauen, was dabei alles zu beachten ist. Ein schönes Wochenende!

Work smart, not hard.


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