Tagung der Notenbanker in Jackson Hole 2017 – Wie steht es um den Euro?

Die Tagung der Notenbanker in Jackson Hole vom 24. Bis 26. August 2017 gehört wohl zu den Ereignissen, denen die Finanzmärkte in diesem Jahr, in Erwartung weitreichender Informationen zur weiteren Entwicklung der Geldpolitik, die größte Aufmerksamkeit schenkten. Diese Erwartungen wurden dieses Jahr weitgehend enttäuscht und so reagierten die Märkte auf ausbleibende Aussagen der wichtigsten Notenbanker:

US-Notenbankchefin Yellen mit allgemeinen Aussagen

Notenbank der USA "FED" in Dollarnoten
Quelle: Mattz90/Shutterstock

In den USA wird spekuliert, dass die US-Notenbank Fed im September den nächsten Zinsschritt vollziehen und den Leitzins von aktuell 1,00 % – 1,25 % auf dann 1,25 % – 1,50 % anheben könnte. Vor diesem Hintergrund wurde der Rede der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen besonders aufmerksam gefolgt und darauf geachtet, ob diese irgendwelche Signale, die auf eine Zinserhöhung im September hindeuten, enthält. Letztendlich war die Rede Yellens allerdings mehr ein Rückblick auf die vergangenen 10 Jahre seit dem Einsetzen der globalen Finanzkrise. Sie endete mit einer Bestandaufnahme der aktuellen Situation des Bankensektors, der nun sicherer sei, und der Warnung vor einem zu exzessiven Optimismus. Jegliche Aussagen zur Geldpolitik, wurden jedoch von ihr vermieden.

An den Märkten zeigte sich die Enttäuschung über das Ausbleiben der Informationen zur Geldpolitik der Fed darin, dass der US-Dollar nach der Rede Yellens deutliche Verluste verzeichnen musste. Auch der US-Leitindex musste einen Teil seiner Tagesgewinne abgegeben, konnte aber mit einem Plus von 0,14 % schließen. Dies machte deutlich, dass zumindest ein Teil der Marktteilnehmer aus den fehlenden Informationen zur Geldpolitik den Schluss zog, dass der nächste Zinsschritt der Fed nicht im September erfolgen wird. Darüber hinaus, wird der Aktienmarkt durch den schwachen US-Dollar gestützt.

EZB-Präsident Draghi fördert positive Stimmung gegenüber dem Euro

Eurozeichen vor dem Gebäude der EZB
Quelle: S-F/Shutterstock.com

Nachdem die Rede Janet Yellens keine wirklichen Anhaltspunkte zur weiteren Geldpolitik der Fed lieferte, wuchsen die Erwartungen etwas darüber in der später folgenden Rede des EZB-Präsidenten Mario Draghi zu erfahren. Im Gegensatz zur US-Notenbank, hält die EZB weiterhin an der Nullzins-Politik und dem Ankauf von Anleihen im Umfang von 60 Mrd. Euro pro Monat fest. Während dies in Krisenzeiten als durchaus gerechtfertigte Maßnahme erschien, befindet sich die Wirtschaft in der Eurozone mittlerweile auf einem deutlichen Kurs der Erholung, und diese Erholung könnte, nach Ansicht vieler Marktteilnehmer, ein langsames Straffen der Geldpolitik rechtfertigen.

Wer allerdings konkrete Aussagen von Mario Draghi erwartete, wurde von diesem genau wie von Janet Yellen enttäuscht. Er bescheinigte der globalen Wirtschaft eine stärkere Erholung, stellte aber gleichzeitig fest, dass weiterhin „keine selbsttragende Annäherung der Inflation an das mittelfristige Ziel“ gesehen werde. Dieses Ziel liegt bei einer Inflationsrate von 2 %, jedoch ist der durchschnittliche Preisanstieg in der Eurozone mit 1,3 % noch deutlich von diesem entfernt. Würde die EZB nun ihre Geldpolitik straffen, würde der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter an Wert gewinnen. Dies hätte allerdings zufolge, dass Importe in die Eurozone sich verbilligen, was sich negativ auf die Inflation auswirkt, wodurch die Eurozone sich wieder weiter vom Erreichen des Inflationsziels entfernen würde.

Vertrauen in den Euro weiter vorhanden

Bündel von Euro Noten
Quelle: Marian Weyo/Shutterstock.com

Anders, als nach der Rede von Janet Yellen, sorgte das Ausbleiben weiterführender Informationen von Mario Draghi nicht zu einem Vertrauensverlust in die europäische Gemeinschaftswährung. An den Märkten wurde seine Aussage vielmehr als Zeichen dafür gewertet, dass eine Straffung der Geldpolitik durch die EZB nicht allzu weit entfernt ist und Draghi mit möglichen Hinweisen keine Verwerfungen an den Finanzmärkten erzeugen wollte. Dies ist durchaus verständlich, da sich in der Vergangenheit gezeigt hat, dass die Märkte überaus heftig reagieren können, wenn sie aus Äußerungen zur Geldpolitik mögliche Signale entnehmen, die keineswegs konkret sein müssen. Der Euro stieg jedenfalls auf 1,194 US-Dollar, einem Wert, den er zuletzt im Januar 2015 erreichte.

Die kommenden Wochen werden nun zeigen, ob die Zeit des billigen Geldes sich ihrem Ende nähert. Im Dezember läuft das Anleihenkaufprogramm der EZB aus und diese will im kommenden Herbst bereits entscheiden, ob dieses fortgesetzt wird. Ob sie Anfang 2018 auf die Zinsen in einem ersten Schritt wieder leicht anheben wird, wird unter anderem davon abhängen, ob die US-Notenbank ihre Geldpolitik weiter strafft und dem Dollar zu einer Erholung verhilft. Geschieht dies nicht, könnte das Ende des Anleihenkaufprogramms, oder eine Einschränkung dessen, sowie eine Zinsanhebung, sich als kontraproduktiv für das Erreichen des Inflationsziels in der Eurozone herausstellen, was eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik der EZB wahrscheinlich machen würde.


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