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360 Grad Feedback – Beurteilung von Führungskräften

Auch Führungskräfte brauchen Feedback um ihre eigene Leistung einschätzen und weiterentwickeln zu können. Von ihren Mitarbeitern bekommen Vorgesetzte jedoch aufgrund der ungleichen Machtverhältnisse und ihres Status meist nur wenig Rückmeldung. Gleichzeitig ist die Beurteilung von Führungskräften aber auch herausfordernd und sensibel – schließlich tragen Führungskräfte viel Verantwortung und negatives Feedback kann sich schnell auf die Karriere und Laufbahn im Unternehmen auswirken. Eine mögliche Feedback-Methode ist das 360 Grad Feedback. Was genau unter 360 Grad Feedback zu verstehen ist, wie dieses abläuft und welche Vor- und Nachteile die Methode hat, erfahren Sie im Folgenden.

Was ist das 360 Grad Feedback?

Maanger in der Mitte umgeben von Bewertenden im 360 Grad Feedback
Quelle: madpixblue/Shutterstock.com

Das 360 Grad Feedback ist eine beliebte und wirksame Methode der Leistungsbeurteilung, bei der die Kompetenzen von Fach- und Führungskräften umfassend unter die Lupe genommen und beurteilt werden. Die Methode beruht auf der Annahme, dass Weiterentwicklung und Lernen ohne authentisches und konstruktives Feedback nicht möglich sind.

Führungskräfte erhalten bei der Methode Rückmeldung aus verschiedenen Perspektiven und von unterschiedlichsten Akteuren wie zum Beispiel Kollegen, Mitarbeitern, Vorgesetzten, Teammitgliedern und Kunden. Strenggenommen gilt das Feedback nur dann als 360 Grad Feedback, wenn auch eine externe Perspektive, wie die der Kunden oder Partner des Unternehmens, einbezogen wird. Zudem gehört zum 360 Grad Feedback auch eine Selbsteinschätzung – die Führungskraft beurteilt ihre eigenen Kompetenzen und die verschiedenen Einschätzungen werden im Anschluss verglichen, um ein besseres und möglichst realistisches Bild von der eigenen Leistung zu erhalten.

Die Methode findet in vielen, vor allem größeren Unternehmen Anwendung und wird meistens von der Personalabteilung aus angeleitet, ist aber in vielen kleineren Unternehmen unbekannt – hier setzt man traditionell auf einseitiges Feedback von Vorgesetztem zum Mitarbeiter.

Ablauf des 360 Grad Feedbacks

Gesprächssituation
Quelle: Antonio Guillem/Shutterstock.com

Die Befragung erfolgt anonym und erfolgt anhand eines Fragebogens. Zuvor gilt es aber, einige Vorbereitungen zu treffen.

Generell lässt sich der Feedbackprozess in vier Phasen teilen: Vorbereitung und Briefing, Erstellung des Fragebogens, die eigentliche Durchführung sowie der Analyse der Ergebnisse und Umsetzung der nötigen Maßnahmen. Im Detail kann der Feedbackprozess in etwa wie folgt gegliedert werden:

  1. Zunächst wird definiert, wer das Feedback erhält (zum Beispiel Vorgesetzter oder Projektleiter)
  2. Im nächsten Schritt wird definiert, welche Kompetenzen der Beurteilte innehaben sollte – auf diese Weise wird ein Sollwert definiert.
  3. Nun wird ein Fragebogen erstellt oder aus bereits vorhandenen Fragebögen ausgewählt und an die Situation des zu Beurteilenden angepasst.
  4. Im Weiteren werden die nötigen technischen und organisatorischen Vorkehrungen getroffen, um die Befragung durchzuführen. Hierzu kann zum Beispiel eine Software verwendet werden. In diesem Zusammenhang werden auch rechtliche Fragen zum Datenschutz geklärt.
  5. Jetzt ist es Zeit für die Durchführung der Befragung. Die eigentliche Befragung wird durchgeführt und die Ergebnisse gesammelt.
  6. Die Auswertung und Besprechung der Ergebnisse des Feedbackprozesses findet gemeinsam mit dem Leiter der Befragung, dem direkten Vorgesetzten der Führungskraft oder einem speziellen Coach durchgeführt. Anschließend können die Ergebnisse den Feedbackgebern mitgeteilt werden, falls dies erwünscht ist.
  7. Die Ergebnisse werden weitergehen analysiert und Maßnahmen zur Verbesserung von negativen Ergebnissen und zur gezielten Entwicklung entschieden.
  8. Mögliche Ziele und konkrete Maßnahmen werden als Teil eines Entwicklungsplans oder einer Zielvereinbarung terminiert, um ihre Umsetzung sicherzustellen.
  9. Je nach Bedarf wird das 360 Grad Feedback nach einer bestimmten Zeit wiederholt.

Vor- und Nachteile des 360 Grad Feedbacks

Vor- und Nachteile
Quelle: Jane Kelly/Shutterstock.com

Ein wesentlicher Vorteil des 360 Grad Gesprächs ist die Anonymität bei der Beantwortung des Fragebogens. Dies führt dazu, dass besonders Mitarbeiter, welcher in der Firmenordnung unter ihren Vorgesetzten stehen, bereit sind, ehrliches Feedback zu geben.

Zudem ist das Feedback durch die verschiedenen Blickwinkel und die Selbsteinschätzung sehr umfassend und daher objektiv. Da auch Kollegen und Mitarbeiter an der Erstellung beteiligt sind, ist das Feedback besonders authentisch – schließlich sind sie es, die besonders viel Zeit mit dem Beurteilten verbringen und dessen Kompetenzen besser einschätzen können, als die Vorgesetzten oder Unternehmensleistung. Die Methode ermöglicht somit eine fundierte Analyse der Stärken und Schwächen der Führungskraft und eine gezielte Planung möglicher Entwicklungsmaßnahmen.

Das 360 Grad Feedback bringt jedoch auch einige Risiken und Nachteile mit sich. Zum einen ist die Durchführung anspruchsvoll und hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Bereits bei der Definition der Kompetenzen und der Formulierung der Fragen für den Fragebogen ist Vorsicht geboten – schnell passiert es hier, dass die falschen Fragen definiert werden oder die Fragen nicht zur Ermittlung der nötigen Ergebnisse führt, sondern zum Beispiel die Beliebtheit der Führungskraft ermittelt. Mitarbeiter können dazu tendieren, die Gelegenheit zu nutzen, um Frust abzuladen. Objektivität zu erlangen, ist also eine der größten Herausforderungen bei der Durchführung des 360 Feedbacks.

Wie bei jeder Feedbackmethode ist außerdem kritisch, inwieweit das Feedback tatsächlich umfassend analysiert und die daraus nötigen Schlussfolgerungen und Maßnahmen abgeleitet werden. Eine Feedbackmethode ist nur dann fruchtbar, wenn ihre Ergebnisse tatsächlich zur Veränderung beitragen und der Führungskraft in ihrer weiteren Entwicklung helfen.

Alles in allem ist die 360 Grad Methode zudem sehr aufwändig und zeitintensiv – der betriebene Aufwand muss also erstmal im Verhältnis zu den gewonnenen Ergebnissen und ihrer Qualität stehen.

Grundbedingungen für einen erfolgreichen Feedbackprozess

Feedback und seine Elemente
Quelle: stoatphoto/Shutterstock.com

Nicht immer führen Feedbackmethoden zu den gewünschten Ergebnissen und Verbesserungen. Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg von Feedbackmethoden wie dem 360 Grad Feedback ist die im Unternehmen herrschende Unternehmenskultur. In Unternehmen, in denen Feedback ein fest verankerter Faktor ist und als positiv für die Entwicklung von Potentialen empfunden wird, profitieren Mitarbeiter und Vorgesetzte am ehesten von umfassendem Feedback.

Vertrauen, Offenheit und Akzeptanz sind wichtige Voraussetzungen für die Durchführung von Feedbackprozessen und führen zu einer höheren Bereitschaft und Authentizität bei Beurteilten und Beurteilenden. 

Das 360 Grad Feedback als Chance zur Entwicklung

Das 360 Grad Feedback ist eine der am meisten verwendeten und effektivsten Bewertungsmethoden für die Beurteilung von Führungskräften und gilt als ein wichtiges Instrument der Führungskräfteentwicklung.

Wird es korrekt durchgeführt, kann es ein sehr exaktes Bild über die Kompetenzen der Führungskraft sowie ihrer Stärken und Schwächen darstellen und somit den Weg für eine gezielte Führungskräfteentwicklung ebnen. Damit das Feedback aber tatsächlich 360 Grad umfasst, müssen möglichst viele verschiedene Akteure unterschiedlichster Ebenen befragt werden. Objektivität, Validität und Genauigkeit sind nur einige der wichtigen Elemente, die das 360 Grad Feedback zu einer der beliebtesten Feedbackmethode machen.

 

Quellen:

https://www.360-grad-feedback.net/

https://karrierebibel.de/360-grad-feedback/

https://de.wikipedia.org/wiki/360%C2%B0-Feedback

https://www.honestly.de/blog/360-grad-feedback/

 

 


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