Mehr Motivation und Innovation mit dem Zürcher Ressourcen Modell®

Ziele und Gründe für Veränderungen im Unternehmen gibt es viele. Doch häufig geht es nur schleppend voran, selbst wenn alles gut durchdacht und geplant ist. Innovation und Motivation bleiben auf der Strecke. Im Folgenden erfahren Sie, wie durch gezieltes Selbstmanagement mithilfe des Zürcher Ressourcen Modells® mehr Motivation und Innovation im Unternehmen erreicht werden können.

Was ist das Zürcher Ressourcen Modell®?

Puzzelteile auf Schreibtisch
Quelle: Gajus/Shutterstock.com

Das Zürcher Ressourcen Modell®, abgekürzt ZRM, wurde zu Beginn der 90er Jahre von den Psychologen Maja Storch und Frank Kraus für die Universität Zürich entwickelt. Es ist ein Selbstmanagement-Training, das ursprünglich als Burn-out-Prophylaxe gedacht war sowie angehenden Lehrkräften psychosoziale Kompetenzen vermitteln sollte. Das Training beruht auf den neuesten neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zum menschlichen Handeln und Lernen. Dabei bezieht es physiologische, emotive und kognitive Entwicklungsprozesse mit ein.

Die Grundannahme des Modells ist, dass jeder von uns die meisten Ressourcen für Problemlösungen bereits in sich trägt. Unter anderem hat der Ressourcengedanke seinen Ursprung in der humanistischen Psychologie. Sie ist fest davon überzeugt, dass jeder Mensch ein positives Potenzial zur Veränderung besitzt. In den Zielentwicklungsprozess des Trainings wurden die neuesten Erkenntnisse aus den Bereichen Neurobiologie, Motivationspsychologie und Psychoanalyse einbezogen.

Wie funktioniert das Zürcher Ressourcen Modell®?

In unserem Gehirn arbeiten zwei Entscheidungssysteme: das emotionale Erfahrungsgedächtnis (Bauchgefühl) auf der einen und unser Verstand auf der anderen Seite. Stehen beide Entscheidungssysteme im Einklang miteinander, dann fällt es uns leicht, Ziele konsequent und vor allem auch motiviert durchzusetzen.

Wenn aber das emotionale Erfahrungsgedächtnis unsere Ziele und Wünsche nicht unterstützt oder besser gesagt, unbewusste Bedürfnisse bei Entscheidungen nicht berücksichtigt werden, dann handeln wir gegen unsere Ziele und die Umsetzung unserer Wünsche gerät ins Stocken. Wer aber trotzdem die Situation aktiv meistern und entscheiden möchte, dem helfen nur Selbstregulierung und Ich-Kontrolle. Genau hier setzt das Zürcher Ressourcen Modell® an, indem es Emotion und Ratio in Einklang miteinander bringt und somit zur Selbstregulierung führt. Dabei entsteht eine intrinsische Motivation, um Ziele und Wünsche zu verwirklichen. Es gelingen nun Veränderungen, die vorher blockiert waren, motiviert anzugehen. Außerdem entwickeln Führungskräfte und Mitarbeiter Haltungen, die vor Stress und Burn-out schützen und zu einem persönlichen Wachstum führen.

Ablauf des Zürcher Ressourcen Modells®

Das Training nach dem Zürcher Ressourcen Modell® folgt einem strukturierten Ablauf, der sich an das Rubikon-Modell von Heinz Heckhausen und Peter M. Gollwitzer anlehnt. Das vierstufige Rubikon-Modell wurde von Klaus Grawe weiterentwickelt, der es gleichzeitig mit einer vorgeschalteten Stufe ergänzte und es als Rubikon-Prozess etablierte. Der Rubikon-Prozess beschreibt folgende Phasen zum Entstehen einer Handlung:

1. Bedürfnis

„Irgendetwas stimmt nicht.“

Motivation Notizblock mit der Frage "was brauchst du"
Quelle:  Marko Aliaksandr/ Shutterstock.com

Jedem Bewusstwerden eines Motives oder Zieles geht ein unbewusstes Bedürfnis voraus. Deshalb müssen sich die Teilnehmer, die das Training absolvieren, in der ersten Phase des Prozesses über das unbewusste Bedürfnis oder aktuell bedeutsame Problem im Klaren werden. Bilder sind eine gute Möglichkeit diesem näherzukommen. Dementsprechend werden Bilder mit schönen Landschaften, Blumen, Tieren oder Menschen in freundlichen Kontexten gezeigt. Jeder Teilnehmer wählt aus der Bildkartei jeweils das Bild aus, das ihm am besten gefällt.

In diesem Schritt geht es darum, Gefühle auszulösen, ohne dabei bewusst nachzudenken, sogenannte somatische Marker. Dabei liegt der Focus mit Absicht auf positiven Markern, damit die Trainingsperson einen Zugang zu den Zielen erhält, die sie erreichen möchte. Zum Herausfinden des Motto-Zieles kann zum Beispiel das ZRM-Onlinetool verwendet werden.

Im zweiten Teil der ersten Phase wird mit dem sogenannten Ideenkorb gearbeitet, der ähnlich wie ein Brainstorming abläuft. Die Teilnehmer des Trainings helfen sich gegenseitig dabei, möglichst viele Ideen zu generieren, bis sich für jeden ein bestimmtes Motiv herauskristallisiert.

2. Motiv

„Es wäre schön, wenn …

Im zweiten Schritt geht es darum, ein handlungswirksames Ziel zu formulieren. Dabei gilt es zu beachten, dass das Ziel

  • positiv formuliert wird.
  • einen somatischen Marker hervorruft.
  • allein unter der Kontrolle des jeweiligen Teilnehmers liegt.

3. Intention

„Ich will!“

Die Trainingsteilnehmer haben sich ihr handlungswirksames Ziel erarbeitet. Nun geht es darum, dass die Teilnehmer ihre neu gebildeten neuronalen Netzwerke ausbauen. Das bedeutet, dass sie ihr explizites Wissen über ihr Ziel in ein implizites Wissenssystem überführen. Damit ist das Ziel auch in schwierigen Situationen handlungswirksam. Dazu werden Erinnerungshilfen verwendet, die vielfältig in den Alltag integriert werden müssen. Das können zum Beispiel Düfte oder Gegenstände sein.

Weiterhin wird das Ziel im Körper verankert. Psychologen nennen diesen Vorgang Embodiment. Dabei wird das neuronale Netzwerk mit einer entsprechenden Körperhaltung aktiviert. In dieser Phase füllen die Teilnehmer ihren Ressourcenpool, indem sie mit den Ressourcen Geist, Gefühl und Körper arbeiten.

4. Präaktionale Vorbereitung

„Ich will und kann.“

In dieser Phase gilt es, die Ressourcen gezielt einzusetzen, um das eigene Ziel in eine Handlung umsetzen zu können. Dabei geht es darum, das Ziel in kleine Teilziele mit detaillierten Aufgaben zu zerlegen. Das Training mit dem Zürcher Ressourcen Modell® sorgt in dieser Phase dafür, dass jetzt optimal auf den Ressourcenpool, den nun jeder Teilnehmer gefüllt hat, zurückgegriffen werden kann.

4. Handlung

„Ich tue es von selbst.“

„Ich packe es.“

In dieser Phase geht es um die Reflexion des gesamten Prozesses. Dabei werden die Teilnehmer ermutigt, einander im Austausch zu bleiben und sich sozusagen gegenseitig als soziale Ressource zu verwenden, um ihr Handlungsvorhaben in den Alltag zu integrieren.

Zürcher Ressourcen Modell® für jedes Thema anwendbar

Leute am Schreibtisch lösen Problem
Quelle: Rawpixel.com/ Shutterstock.com

Speziell der Rubikon-Prozess ist für jegliches Thema anwendbar, das konsequenter und lustvoller umgesetzt werden soll. Das kann zum Beispiel der Umgang mit schwierigen Situationen bei der Verwirklichung von Projekten oder bestimmte Veränderungsvorhaben sein. Dabei muss jedoch nicht immer der gesamte Ablauf durchgearbeitet werden. Sogar der Einsatz einzelner Elemente wie der Ideenkorb kann schnell und dauerhaft wirken.

 

Warum Innovation und Motivation Selbstmanagement braucht

An guten Gründen und Zielen für Veränderung und Innovation mangelt es Teams und Unternehmen meist nicht. Doch häufig verlaufen Ideen im Sand oder Projekte werden nicht mit ganzem Einsatz und ausreichender Motivation begonnen, sodass sie schnell ins Stocken geraten und Frust entsteht. Wie nachhaltig und schnell Pläne in einem Unternehmen realisiert werden, hängt sehr stark von der Selbstmotivation und vom Selbstmanagement der am Projekt beteiligten Personen ab. Ein gutes Selbstmanagement erhöht daher die Chancen auf perfekte, schnelle und nachhaltige Umsetzung eines Projektes. Das Zürcher Ressourcen Modell® hilft dabei, das Selbstmanagement zu trainieren.


Literaturquellen:

https://karrierebibel.de/zuercher-ressourcen-modell/
https://www.five-is.com/wp-content/uploads/2014/10/20140915-ZRM-fuer-Innovation.pdf
https://zrm.ch/


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