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Recht

Geld statt Urlaub? So können Sie sich Ihren Urlaub auszahlen lassen!

Haben Sie als Arbeitnehmer*in eine größere finanzielle Anschaffung wie z.B. ein Haus geplant oder bereits getätigt?

Dann denken Sie vielleicht dar√ľber nach, Ihren Urlaub zugunsten einer Auszahlung einzutauschen. Das w√ľrde bedeuten, dass Sie gegen eine finanzielle Abgeltung auf Ihre erholsamen Urlaubstage verzichten w√ľrden.

Wir haben f√ľr Sie gepr√ľft, unter welchen Voraussetzungen es m√∂glich ist, Urlaub auszahlen zu lassen. Sie erfahren vor allem, welche bundesweiten Regelungen f√ľr den Erholungsurlaub gelten.

Außerdem teilen wir Ihnen mit:

  • wann eine Urlaubsabgeltung infrage kommt
  • wie eine Auszahlung des Urlaubs versteuert wird
  • welchen Einfluss die Arbeitszeit auf die Urlaubsauszahlung hat

Welche Regeln gelten bei der Auszahlung von Urlaub?

Generell hat Urlaub zum Ziel, dass Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen sich von der Erwerbsarbeit erholen, regenerieren und so langfristig am Arbeitsleben teilhaben können. Urlaub trägt dazu bei, die physische und psychische Gesundheit und die Work-Life-Balance aufrechtzuerhalten.

Das Bundesurlaubsgesetz (BUlrG) regelt sämtliche Angelegenheiten, die mit dem Erholungsurlaub in Zusammenhang stehen. Demnach ist es nur unter einer Voraussetzung möglich, sich den Urlaub auszahlen zu lassen.

Wenn das Arbeitsverh√§ltnis z.B. durch eine ordentliche K√ľndigung oder einen Aufhebungsvertrag aufgel√∂st wird und der restliche Urlaub daher nicht vollst√§ndig in Anspruch genommen werden kann, ist eine Auszahlung des Urlaubs m√∂glich.

Selbst wenn Pflichtverletzungen seitens der Arbeitnehmer*innen gegen√ľber dem Unternehmen zu einer fristlosen K√ľndigung gef√ľhrt haben, greift diese Regelung des BUlrG.

Wann Sie sich trotzdem den Urlaub auszahlen lassen können

Liegt ein betrieblicher Notfall wie z.B. Personalengpass wegen Krankheit oder ein nahender Projektabschluss vor, der Arbeitnehmer*innen nicht erlaubt, den eingereichten Urlaub zu nehmen, kann es zu einer finanziellen Auszahlung des Urlaubs kommen.

Der Grund ist dann, dass es Arbeitnehmer*innen wegen der speziellen Situation nicht möglich war, ihren Urlaubsanspruch wahrzunehmen. Dennoch muss sichergestellt sein, dass Sie Ihren Urlaub bewusst geplant haben und ihn nicht zugunsten einer Auszahlung aufgeschoben haben.

F√ľr Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen gilt in jeder Hinsicht: Urlaub vor Auszahlung!

Besteht dennoch der Wunsch, Urlaub auszahlen zu lassen, sollte das Gespräch mit der Unternehmensleitung gesucht werden. Bei beiderseitigem Einvernehmen kann es dazu kommen, dass der Urlaub ausgezahlt wird.

Bei diesem Vorgehen tr√§gt die Unternehmensleitung ein hohes Risiko! Denn diese Praxis entspricht nicht dem, was im Bundesurlaubsgesetz √ľber den Erholungsurlaub verankert ist. Nach diesem Gesetz hat Urlaub eine entscheidende regenerierende und krankheitsvorbeugende Funktion.

Diese Funktion wird nat√ľrlich nicht erf√ľllt, wenn Sie sich den Urlaub auszahlen lassen!

Wenn Sie als Arbeitnehmer*in nach erfolgter Auszahlung trotzdem Ihren Urlaub geltend machen wollen, haben Sie vor Gericht deshalb gute Chancen, den urspr√ľnglichen Urlaubsanspruch einzuklagen!

Da sich Arbeitgeber*innen dieses Risikos bewusst sind, zeigen sie sich nur in seltenen Fällen mit einer einvernehmlichen Auszahlung des Urlaubs einverstanden.

Vor allem bei Urlaubsangelegenheiten in speziellen Situationen wie Elternzeit, Krankheit oder Sabbatical ist ein Gespräch mit der Geschäftsleitung nötig!

Urlaub auszahlen lassen: Die Berechnung der Urlaubsabgeltung

Grunds√§tzlich ist es nicht relevant, ob Arbeitnehmer*innen in Voll- oder Teilzeit besch√§ftigt sind. Arbeitnehmer*innen beider Arbeitszeitmodelle k√∂nnen sich den Urlaub auszahlen lassen, sofern die Voraussetzungen erf√ľllt sind.

Zur Berechnung der Urlaubsabgeltung dienen die Resturlaubstage sowie das Quartalsgehalt aus den letzten 13 Wochen bzw. 3 Monate Beschäftigungszeit vor dem Ende des Beschäftigungsverhältnisses.

Mal angenommen:

Eine Vollzeit t√§tige Arbeitnehmerin mit einer 5-Tage-Woche hat innerhalb der letzten 3 Monate (vor dem letzten Arbeitstag) insgesamt 7500‚ā¨ verdient, also 576,92‚ā¨ pro Woche. Letzteres wird ermittelt, indem das Gehalt der 3 Monate durch 13 Wochen dividiert wird.

Das w√∂chentliche Gehalt wird durch die Anzahl der Arbeitstage geteilt, um den t√§glichen Arbeitswert zu berechnen. In diesem Fall bei einer 5-Tages-Woche ergibt sich ein t√§glicher Wert von 115,38‚ā¨.

Dieser Wert wird nun mit dem Anspruch der Resturlaubstage multipliziert. Bei einem Resturlaub von 15 Tagen, der nun finanziell ausgezahlt werden soll, ergibt sich eine Summe von 1730,77‚ā¨.

Besteuerung des ausgezahlten Urlaubs

Die Summe der berechneten Urlaubsabgeltung kommt nicht in voller H√∂he bei Arbeitnehmer*innen an, denn es muss unter ‚Äěsonstigem Bezug‚Äú versteuert werden. Auf diese Einnahmen fallen also Lohnsteuern an.

Au√üerdem werden noch die √ľblichen Versicherungsbeitr√§ge f√ľr Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung auf die Urlaubsabgeltung f√§llig. Neben Arbeitnehmer*innen m√ľssen auch Arbeitgeber*innen Sozialversicherungsbeitr√§ge auf das zus√§tzlich gezahlte Geld abf√ľhren.

Zwar gibt es Bestrebungen, bei der Auszahlung des Urlaubs mehrerer Jahre eine ermäßigte Besteuerung anzusetzen, dies wird aber in naher Zukunft noch nicht gängige Praxis sein.

Urlaub auszahlen lassen ‚Äď Eine gute Idee?

Grundsätzlich handelt es sich dabei nicht um eine freie Wahl, die Arbeitnehmer*innen sowie die Unternehmensleitung ohne Weiteres treffen können.

Nur unter betriebsbedingten Notfällen oder aufgrund einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist es zulässig, restlichen Urlaub auszahlen zu lassen.

Besteht unabh√§ngig davon der Wunsch, den Urlaub finanziell abgegolten zu bekommen, sollte das Gespr√§ch mit der Unternehmensleitung gesucht werden. Ob diese dem Wunsch nachkommt, ist f√ľr sie mit hohen Risiken verbunden.

Weiterhin ist bei der Auszahlung des Urlaubs mit steuerlichen Einbu√üen zu rechnen. Es werden Versicherungsbeitr√§ge f√ľr Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen f√§llig.

Das Arbeitszeitmodell hat hingegen keinen Einfluss auf das Recht, Resturlaub unter bestimmten Voraussetzungen ausgezahlt zu bekommen.

Zusammenfassend sollte stets im Einzelfall gepr√ľft werden, inwieweit es Sinn macht, Urlaub auszahlen zu lassen. In jedem Fall greift die Regel des Bundesurlaubsgesetzes: Urlaub vor Auszahlung!

Weitere rechtliche Hinweise zum Thema finden Sie advocado.de.